Endoskopkamera im Praxistest

EndoskopEine Endoskopkamera ist das ideale  Werkzeug um in dunkle unzugängliche Ecken zu schauen, Rohrleitungen zu überprüfen oder einmal einen Blick auf die Leitungsführung unter der abgehängten Decke zu werfen. So jedenfalls werden diese Geräte oft beworben.

In meinem Fall war es so, dass plötzlich der Duschabfluss verstopft war. Außerdem sollte der Verlauf der Abwasser- und Wasserleitung für das darüberliegende Bad unter der abgehängten Holzdecke unseres Altbaus überprüft werden. Ich wollte feststellen, ob es möglich ist, den Ablauf senkrecht unter einer einzubauenden ebenerdigen Dusche durch die Geschoßdecke zu führen.

Eine Endoskopkamera schien mir also nach der Funktionsbeschreibung verschiedener Produkte genau das richtige Gerät zu sein um das Abwasserrohr von innen zu überprüfen und vor der Demontage der Deckenpaneelen durch ein kleines Loch erst mal die grundsätzliche Möglichkeit zu checken. Die beiden Aufgaben sind ja von den Anforderungen her grundsätzlich unterschiedlich. Im ersten Fall ging es um die Detailüberprüfung des engen und nassen Inneren eines 50 mm Abflussrohres also um eng begrenzte Nahaufnahmen im direkten Bereich vor der Linse.

Im zweiten Fall sollte der dunkle Innenraum unter der abgehängten Holzdecke mit der Endoskopkamera wesentlich weiträumiger inspiziert werden. Mann sollte also auch den Leitungsverlauf und die Art der Abzweigungen in einer Entfernung von 2-3 Metern noch deutlich erkennen können.

Endoskopkamera Voltcraft BS-300XWIFi im Praxistest

Die Wahl fiel auf die Voltcraft BS-300XWIFI weil sie nicht nur eine etwas höhere Auflösung als die üblichen Endoskopkamera mit 6 cm Minibildschirmen bot, sondern auch wegen der flexibleren Einsatzmöglichkeiten. Die WLAN Verbindung zu Smartphone und Tablet, sowie die Möglichkeit, Bilder und Videos zu übertragen und aufzuzeichnen, schienen mir von Vorteil zu sein.

Die Einrichtung der hierfür erforderlichen kostenlosen Apps war einfach. Die Einstellung der Wlan Verbindung im Smartphon und Tablett war etwas zickig, gelang dann aber auch ganz gut. Angeblich soll die WLAN Verbindung ja bis zu 10 Meter reichen. Bei mir war allerdings manchmal schon bei 50 cm Entfernung von Smartphone und Endoskopkamera Schluss. Auch bei direkt neben der Kamera positionietem Smartphon brach die WLAN Verbindung ständig zusammen. Es war mehr als mühsam mit dieser Endoskopkamera überhaupt arbeiten zu können. Die Bildübertragung wurde ständig durch Abbruch der WLAN Verbindung gestört. Trotzdem konnte das Gerät wenigstens ein paar Minuten eingesetzt werden. Danach ergab sich folgendes Bild.

Einsatz der Endoskopkamera im Abwasserrohr

Für diesen Zweck ist das Gerät wirklich gut geeignet. Innerhalb des Abflussrohres ist die mit lediglich 2 LED s realisierte Ausleuchtung ausreichend. Die gelieferten Bilder sind hell und scharf. Aufgrund der Steifigkeit des Schwanenhalses dürfte die Kuntrolle von Biegungen und Kurven jedoch an enge Grenzen stoßen. Das Linsengehäuse ist relativ scharfkantig und lässt sich daher sehr schlecht um Biegungen drücken. Hier würde wohl der Einsatz einer USB Endoskopkamera mit flexiblerem Kabel eventuell bessere Ergebnisse liefern.

Einsatz der Endoskopkamera  im Hohlraum der abgehängten Holzdecke

Für die Kontrolle des doch weitläufigeren Hohlraumes unter der Decke ist die Kamera dagegen überhaupt nicht geeignet. Die Ausleuchtung durch lediglich 2  LED s ist völlig unzureichend. Da es dem Gerät im Unterschied zu den Profikameras für mehrere hundert Euros an Focusiermöglichkeiten fehlt, ist ein Bild über zwei drei Meter Enfernung,  um den Verlauf von Leitungen zu überprüfen, schlicht nicht möglich. Wenn überhaupt, wegen des fehlenden Lichts, ist der weitere Bereich nur noch verschwommen wahrzunehmen.

Der Schwanenhals der Kamera kann mit der Überwurfmutter nur in einer festvorgegebenen Position befestigt werden. (Einrastung). Bei normal gehaltenem Pistolengriff ist die Bildwiedergabe aber schräg verdreht und kann nur durch ‚Schwenken des Griffs korrigiert werden. Dies ist gerade bei abgewinkeltem Schwanhals durchaus irritierend.

Fazit

Die Endoskopkamera Voltkraft BS-300XIFI kann von der Wiedergabequalität her gut für die Kontrolle des Innenraumes eines Abflußrohrs oder eines begrenzten Hohlraumes wie KFZ-Türholme oder unzugängliche Bereiche in Motorraumecken  eingesetzt werden. Hierbei liefert sie gute scharfe Bilder.

In weiträumigeren Räumen ist sie dagegen wegen der fehlenden Focusiermöglichkeiten für den Bereich von 2-3 Metern und der dürftigen Beleuchtung nicht geeignet. Dies ist jedoch kein Qualitätsmangel sondern die Endoskopkamera ist für diesen Einsatzzweck nicht ausgestattet. Bei einem Preis von knapp hundert Euro im Vergleich zu fast 1500 Euro für absolute Profigeräte ist dies auch verständlich.

Ein mehr als deutliches Qualitätsproblem hat die Voltcraft BS-300XWIFI dagegen mit der völlig inakzeptablen Stabilität des WLAN Signales. Ständige Abbrüche auch im Nahbereich unter 1 Meter machen das Gerät schlichtweg für den Praxiseinsatz untauglich.

Zwischenzeitlich habe ich mit einer Lochsäge eine Öffnung für mein Padfone 2 in eine unauffällige Stelle meiner abgehängten Decke gebohrt, die Oberseite des Handys mit dem Objektiv reingesteckt und vorzügliche Bilder meines Leitungsverlaufs zum Nulltarif gemacht. Da hätte ich eigentlich gleich drauf kommen können.

 

 

 


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