Gesundheitsuntersuchung für Senioren – sinnvoll oder Schikane ?

Gesundheitsuntersuchung für ältere Kraftfahrer, notwendig oder überflüssig? Ein altes Streitthema- sobald in den Medien über einen spektakulären Unfall mit Senioren berichtet wird, strapaziert wieder jedes Stammtischgespräch das Thema Gesundheitsuntersuchung für Senioren ab 60, 65 oder 70 Jahren. Wenn man mal möglichst frei von Emotionen die Fakten näher beleuchtet, was gar nicht so leicht ist, reduziert sich das Thema eigentlich nur auf die Angst, den Führerschein abgeben zu müssen. Da wird auch gleich deutlich von welch überragender Bedeutung für uns Ältere der Erhalt der Mobilität ist. Und das Autofahren ist nunmal der Inbegriff der Mobilität. Davon durch eine verpflichtende Gesundheitsuntersuchung ausgeschlossen zu werden, das wäre schon eine sehr große Einschränkung der Lebensqualität. Die Vorbehalte vieler aus unserer Altersgruppe sind daher nur allzu menschlich und verständlich.

Die Gesundheitsuntersuchung für Senioren ist nicht nur im Straßenverkehr sinnvoll.

Gegner der Gesundheitsuntersuchung bemüher dann auch oft die Unfallstatistik, die ja aus diesem Blickwinkel heraus, eine auffällige Häufung der Unfallbeteiligung von älteren Menschen ab 60 Jahren überhaupt nicht nachweisen kann. Diese gerne bemühte Argumentation ist aber auch nur die halbe Wahrheit.

Jenseits der 75 Jahre steigt die Unfallbeteiligung von Seniorinnen und Senioren eben doch merklich an, insbesondere dann wenn Senioren nur noch vergleichsweise geringe Fahrleistungen von unter 4000 km im Jahr haben. Auch die häufige Beteiligung an bestimmten Unfalltypen, Kreuzungs Vorfahrts- und Abbiege- oder Einordnungsunfälle von älteren Menschen ist doch durchaus besorgniserregend. Gerade bei den typischen Kreuzungs- Spurwechsel und Abbiegeunfällen gehen Seniorunfälle oft auf die Unfähigkeit zurück, infolge Halswirbelbeschwerden den Kopf nicht mehr richtig nach hinten drehen zu können.

Dafür gibt es aber eine Reihe von Abhilfemöglichkeiten bis hin zum Spurwechselassistenten. Bei einer Gesundheitsuntersuchung erkannt, führt das doch gerade im Gegenteil dazu, die Mobilität mit dem Auto durch gezielte Maßnahmen zu erhalten. Ähnlich verhält es sich auch mit Seh- und Hörproblemen, die durch geeignete Maßnahmen wie Brille, Hörgerät, höhere Sitzposition, Auswechseln einer alten verkratzten Windschutzscheibe und Einbau von Kurvenlicht und Nachtsichtassistenzsystemen kompensiert werden können. Wenn man also mal ganz nüchtern Vor- und Nachteile der verpflichtenden Gesundheitsuntersuchung für Senioren gegeneinander abwägt, bleibt außer einer diffusen Angst vor dem Führerscheinverlust kein vernünftiger Grund, dagegen zu sein.

Nachtürlich gibt es den Nachteil der zusätzlichen finanziellen Belastung, denn die Krankenkassen werden diese Untersuchung natürlich nicht bezahlen. Wer aber aufgrund der Gesundheitsuntersuchung den Führerschein verliert, dessen gesundheitliche Probleme sind dann schon so stark, dass man eigentlich schon viel früher aufs Autofahren hätte verzichten müssen. Ich sehe jedenfalls für mich keinen Grund, die Gesundheitsuntersuchung zu verweigern, auch wenn sie etwas kostet. Trotzdem ist wohl kaum anzunehmen, dass der Gesetzgeber eine verpflichtende Gesundheitsuntersuchung beschließen wird. Dazu hat die Politik viel zu viel Angst vor dem Wählerpotenzial der vielen Senioren die nach wie vor gegen eine Untersuchung sind.


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