Pedelec nachrüsten , geht das? Wer bereits Besitzer eines sehr teuren Fahrrades ist, und sich mit dem Gedanken trägt künftig lieber ein Pedelec zu fahren, möchte vielleicht einfach sein bewährtes Seniorenrad zum Pedelec nachrüsten, mit einen Elektromotor ausstatten. Auf den ersten Blick gar keine schlechte Idee. Schließlich gibt es einige Firmen die Nachrüstsätze sowohl für Pedelecs als auch für die schnelleren E-Bikes anbieten. In eindrucksvollen Werbeaussagen wird ja mit einem Preis ab 299.- Euro für einen Vorderradmotor Nachrüstsatz geworben. Mit einem solchen Nachrüstsatz erwirbt man aber nur den Motor ohne Rad und Accu.

Pedelec nachrüsten ist das empfehlenswert?

Pedelec nachrüsten

Ich meine in den meisten Fällen lohnt sich das Nachrüsten nicht, jedenfalls dann nicht, wenn Sie ihr Fahrrad mit einem Selbstbausatz mit Vorderradmotor ausrüsten wollen. Die menschliche Tretkraft entspricht etwa 100 Watt Leistung. Der unterstützende Elektromotor eines Pedelecs hat eine Dauerleistung von 250 Watt. Die kurzzeitige Spitzenleistung liegt noch deutlich darüber. Man kann in etwa davon ausgehen, dass auf alle Fahrradteile mindestens die dreifache Muskelkraft einwirkt. Viele Fahrräder bzw. deren Rahmen sind für diese Beanspruchung plus einer gewissen Sicherheitsreserve ausgelegt. Die mehr als dreifache Kraft dürfte wohl auf Dauer so manchen Rahmen überfordern, und man kann ein solches Rad nicht einfach zum Pedelec nachrüsten. Noch vor wenigen Jahren wurden Pedelecs getestet und versagten oft durch Rahmen oder Gabelbruch. Was folgte war eine grundsätzliche Verstärkung der Fahrradrahmenteile. Wer sein Pedelec mit einem Vorderradmotor nachrüsten will, sollte bedenken, dass dann auf den Vorderbau, den Steuerkopf und die Gabel eine nach vorne ziehende Kraft einwirken wird. Eine solche Beanspruchung fand am normalen Fahrrad überhaupt nicht statt.

Wer jetzt gar sein S-Pedelec oder Pedelec 45 nachrüsten will, hat es mit einem Motor von 500 Watt Leistung und der entsprechenden Materialbeanspruchung zu tun. Es tauchen neuerdings auch Nachrüstsätze mit 750 und 1000 Watt Leistung auf. Der geneigte Leser mag selbst entscheiden, wie sinnvoll die Nachrüstung eines normalen Fahrradrahmens mit solch einem Boliden ist. Hinzu kommt, dass ein S-Pedelec oder E-Bike ja kein Fahrrad mehr ist,  wie das normale Pedelec. Rechtlich gesehen sind diese Geräte eben Kleinkrafträder die eine Betriebserlaubnis, ein Versicherungskennzeichen und gegebenenfalls eine Einzelabnahme benötigen.

Für eine solche Krafteinwirkung ist kein normales Fahrrad gebaut und der behördliche Segen für ein so zusammengebautes Gerät dürfte extrem unwahrscheinlich sein. Nachrüstsätze mit einer Leistung von über 500 Watt sind zwar völlig legal zu verkaufen, ob diese dann aber auch auf öffentlichen Straßen benutzt werden dürfen ist eine ganz andere Frage. Im Falle eines Unfalls mit einem nicht vorschriftsmäßigen, selbst zusammengebauten E-Bike ist mit gravierenden Rechtsfolgen zu rechnen.

Aber gehen wir einmal davon aus, dass Sie ihr, sagen wir mal 800 Euro teures Seniorenfahrrad nicht verkaufen, sondern zum Pedelec nachrüsten wollen. Das Rad ist richtig dimensioniert und auf Ihre Maße optimal eingestellt. So langsam ist Ihnen aber das Fahrradfahren zu mühselig geworden oder aber die Knie oder Hüften machen Probleme. Somit erscheint es sinnvoll das gewohnte und bewährte Rad mit einem Elektromotor nachzurüsten. Nachrüstsätze mit Vorderradmotor werden schon ab 299 Euro angeboten. Wenn Sie sich dann aber die Angebotsbeschreibung einmal näher ansehen, stellen Sie fest, dass der Motor noch eingespeicht werden muss, was mit 99 Euro zu Buche schlägt. Auch der erforderliche Accu ist in diesem Preis noch nicht einbegriffen. Je nach Reichweite kostet der zwischen 380 und 680 Euro. Das eine oder andere Zubehörteil schlägt nochmal mit 30 Euro zu Buche.

Ein Marken Pedelec der guten Einstiegsklasse mit Frontmotor das Groove F 7 von Kalkhoff kostet 1299.- Euro.

Ein Vorderradmotor Nachrüstsatz mit allem Zubehör und 11.3 ah Accu kostet 859.- Euro. Das ist ein recht stolzer Preis für die zusätzliche Mobilität.

Für diesen Preis bekommen Sie ganz locker ein fertiges Pedelec an jeder Baumarktkasse. Das wird natürlich kein maßgeschneidertes Pedelec wie aus dem Fachhandel sein, die Rahmendimensionen für den Elektroantrieb dürften jedoch auch bei diesem Billigprodukt gewährleistet sein.

Das Pedelec nachrüsten mit einem Mittelmotornachrüstsatz schlägt dann schon mit 1118.-Euro zu Buche

Für 1449  Euro gibt es dann schon ein recht vernünftiges Mittelmotorpedelec mit 8 Gang-Schaltung auf dem Markt.

Ein Werbebeispiel für einen „flexiblen Antrieb, der an jedes Fahrrad passt“ finden Sie auf der Homepage der Fa. Pendix. Die Problematik der Rahmenstabilität wird hier gar nicht erwähnt. Der angebotene Accu mit einer Kapazität von lediglich 300 Wh  (laut technischer Daten der Fa.) lässt nicht gerade auf große Reichweiten schließen. Preisangaben, Händlernachweise gibt es nicht, lediglich die Ankündigung dass das System ab Frühjahr 2015 bei ausgewählten Händlern zu haben sein wird. Auf die ausgewählten Händler darf man dann wohl gespannt sein.

Diese  neutrale info Seite von E-bikeinfo.de geht sehr anschaulich auf die Nachrüstproblematik bei E-Bikes ein

Das Fahrrad zum Pedelec nachrüsten ist dann sinnvoll wenn eine wirklich fachkundige und fundierte Beratung stattfindet. Bei meinen Recherchen über Nachbausätze bin ich  auf einen Anbieter gestoßen, der die Problematik beim Pedelc nachrüsten, auf der Basis eines vorhandenen guten Fahrrades, sehr anschaulich darstellt. Es wird ein kompletter Nachrüstsatz für einen Hinterradantrieb mit fertig eingespeichtem Rad für eine Kettenschaltung angeboten. Klar und deutlich wird gesagt, dass es der Beurteilung durch einen Fachmann bedarf, um festzustellen, ob das vorhandene Rad auch nachgerüstet werden kann. Die Fa. Senglar stellt auch mit konkreten Berechnungsbeispielen sehr überzeugend und ehrlich die Reichweitenangaben von Accus dar. Die Kosten für einen kompletten Umbausatz mit allen erforderlichen Teilen werden  dort mit max 950.- Euro angegeben. Der Komplettumbau durch die Werkstatt kostet pauschal 150.- Euro. Wer also eher an der sportlichen Antriebsversion über das Hinterrad interessiert ist, sollte sich die Homepage der Fa. Senglar mal ansehen.


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